Joseph
Hallo, ich heiße Joseph und fange nach meinem Abitur im Herbst ein Informatikstudium an. Ich wuchs in einem Dorf auf dem Land, in einem katholischen Elternhaus auf. Doch meine Eltern glaubten nicht wirklich an Gott, was sie auch nie verheimlichten. Weil man’s halt so macht, bin ich als Kind getauft worden und brachte Kommunion und Firmung hinter mich.
1995 bekamen wir neue Nachbarn. Ich freundete mich relativ schnell mit einem der Kinder, an. Mit ihm ging ich auch in eine Klasse und wir machten auch in unserer Freizeit viel zusammen. Nun, an dieser Familie war etwas besonders, da diese nicht in die/eine Kirche, sondern in eine sog. „Gemeinde“ gingen. Überhaupt schien Gott bei ihnen eine größere Rolle zu spielen und so begann ich mich, mit Gott zu befassen.
1997 erkrankte mein Vater an Krebs. Ich betete jetzt sehr häufig, was aber vergebens war, da er dann doch starb. Das war natürlich ein erheblicher Dämpfer für meinen Glauben. 1998 ging ich erstmals mit auf das Jungscharzeltlager der Christlichen Gemeinde, was mir eigentlich auch relativ gut gefiel. Auch die Jahre danach ging ich dorthin. Dort gab es jeden Morgen eine sog. „Stille Zeit“, in der Abschnitte aus der Bibel gelesen und besprochen wurden. Mir sagte das allerdings nicht sonderlich zu. Danach ging ich ein paar Mal mit in die Jungschar, wo es mir aber nicht so gefiel.
Ab 2000 ging ich in die Jungschar des CVJM im Ort. Dort las ich erstmals richtig in der Bibel. Der Leiter erzählte öfters von einem wohl ganz wichtigen Tag in seinem Leben, der sein Leben total verändert haben soll. Außerdem bekam ich mit, dass es wohl unterschiedliche Arten von Christen gibt. Der Leiter bezeichnete sich selbst als „entschiedenen Christen“. Im CVJM gab es auch regelmäßig Treffen, bei denen man sich noch ausführlicher mit der Bibel beschäftigte. Ab 2002 war ich dann auch noch Mitarbeiter beim CVJM und machte dort jetzt sehr viel.
Im Schuljahr 2002/03 begannen drei neue Mitschüler, mich intensivst zu mobben. Ich verhielt mich meistens auch noch so, dass es für sie nur noch ein Ansporn war, weiter zu machen. Ich wollte niemanden mit meinen Problemen „nerven“ und versuchte, mich durch übermäßigen Fernseh- und Computerkonsum abzulenken. Dadurch verlor ich langsam aber sicher meinen Glauben an Gott, versuchte aber weiterhin, im CVJM meinen „Heiligenschein“ zu wahren. Im Sommer 2003 hörte ich dann als Mitarbeiter beim CVJM auf, ging aber weiterhin in die Jugengruppe und auf Zeltlager des CVJMs mit.
Von da an machte ich eigentlich nur noch das, was mir Spaß machte. Ich ging jetzt auch öfters abends weg, verbrachte viel Zeit vor dem PC oder fuhr allein Fahrrad. Für die Schule - ich was damals in der 11. Klasse - tat ich eigentlich kaum noch was, was natürlich eine extreme Verschlechterung meiner Noten mit sich brachte, was mir aber egal war. Meine Mutter versuchte meinem übermäßigem PC-Konsum entgegenzuwirken, indem sie das Computerzimmer absperrte und den Schlüssel versteckte. Ich nutzte aber jede Gelegenheit aus, um sie zu hintergehen und wieder an die Kiste zu kommen, vor der ich oft die Nächte verbrachte. Und falls ich wirklich nicht an den PC konnte, schaute ich eben fern. Meine Mutter schleppte mich zu mehreren Ärzten, die bei mir aber keine Störungen fanden. Die 11. Klasse musste ich dann wegen 5 5ern im Zeugnis wiederholen. Trotz allem kam ich nicht auf die Idee, dass das, was ich machte, falsch sein könnte.
Im Herbst 2004 löste sich der CVJM in meinem Dorf auf und so hatte ich jetzt überhaupt keinen christlichen Einfluss mehr, was ich allerdings nicht als Verlust empfand. Ich machte mir keine Gedanken mehr über Gott. Er interessierte mich einfach nicht mehr. In dieser Zeit kam ich wieder mehr mit den vorher erwähnten Nachbarn in Kontakt, mit denen ich die Zeit zuvor wenn, dann nur oberfächliche Gespräche führte. Der Nachbarsjunge lud mich nun mehrmals in die Jugendgruppe der Christlichen Gemeinde ein, doch ich lehnte ab und zog es vor, den Freitagabend vor der Glotze zu verbringen. Über die Zeitung erfuhr ich von einem von der Christlichen Gemeinde in der Stadthalle veranstalteten Vortrag mit dem Titel „Wissenschaft und Bibel im Vergleich“ . „Eigentlich passt das ja nicht zusammen“, dachte ich mir, schließlich wusste ich von der Tatsache der Evolution, die ich in der Schule gelernt hatte. Ich ging trotz dieses Zweifels zu dem Vortrag und wurde von dessen Aussage sehr überracht. Der Referent (Roger Liebi) zeigte an zig Beispielen, dass wissenschaftliche Fakten, die erst in unserer Zeit entdeckt wurden, schon Jahrtausende in der Bibel standen. Ich hörte mir dann noch einen anderen Vortrag mit dem Titel „Herkunft und Entwicklung der Sprachen“ an, in dem deutlich aufgezeigt wurde, dass die biblische Geschichte von der babylonischen Sprachverwirrung sehr wohl mit den geschichtlichen Fakten zusammenpasst, die evolutionistische Deutung allerdings nicht. Auch danach las ich noch mehrere Bücher der „Studiengemeinschaft Wort und Wissen“ , die mir immer mehr klar machten, dass die Bibel doch recht hat.
Durch den Vortrag war ich nun plötzlich wieder offen für den Glauben und ging gleich am nächsten Tag mit in die Jugenstunde. Mir fiel dabei die freundliche Atmosphäre sofort positiv auf. Von da an ging ich fast jede Woche in die Jugend und musste immer mehr erkennen, wie schuldig ich doch vor Gott war. Einmal in der Mittagspause (Schule) traf ich „ganz zufällig“ einen Jugendmitarbeiter, mit dem ich nach einem Döner noch ein wenig redete. Er fragte mich, ob ich mich denn schon bekehrt hätte. Mir wurde klar, dass es jetzt eigentlich keine intellektuellen Hindernisse mehr gab, zu Jesus zu kommen. Aber ich schob die Entscheidung erstmal hinaus.
Im Sommer 2005 ging ich dann auf das „Young Camp“ (ein von der Christlichen Gemeinde veranstaltetes Zeltlager für Jugendliche). Dort wurde in einer Bibelarbeit nochmals das Thema Bekehrung angeschnitten und gezeigt, was die bedeutet: Nämlich vor Gott zuzugeben, dass man ohne ihn gelebt und gegen seine Gebote verstoßen hat und dass man ihn dafür um Vergeben bitten soll. Und der Leiter hat es so beschrieben wie das Ändern der Richtung im Leben um 180°. Wir bekamen dann auch einen Zettel mit, auf dem nochmal alles genau beschrieben war, wie man sich jetzt bekehrt/sein Leben Jesus übergibt, wobei deutlich draufstand, dass es hier nicht um die Form, sondern um die Herzenshaltung geht. Nun wusste ich eigentlich alles, schob die Entscheidung trotzdem hinaus. Trotz der eindeutigen Worte auf dem Zettel dachte ich, ich müsse mich erstmal ein wenig verbessern, bevor ich vor Gott treten könne. Allerdings musste ich erkennen, wie sinnlos das doch war. Und nachdem ich mich wieder einmal mit meiner Mutter verstritten hatte und danach alleine zu Hause war (ca. 2 Wochen nach dem Young Camp), holte ich den besagten Zettel wieder hervor und bekehrte mich nun nach dieser Anleitung, meinte es aber wirklich ernst.
Nach meiner Bekehrung fing ich dann an, täglich in der Bibel zu lesen. Mein Leben änderte sich allerdings nicht sonderlich und ich lebte eigentlich wie davor. Dafür nahm ich aber regelmäßig an den verschiedenen Gemeindeveranstaltungen teil. Ich begann mit den ersten, meist erfolglosen Versuchen, meine Familie zu missionieren, aber mein Leben entsprach noch nicht meinen Worten. Dieser Zwiespalt begann sich ab April 2006 immer mehr zu verstärken. Ich machte nun ziemlich viel in, mit und für die Gemeinde, wahrscheinlich zu viel. Vor den Leuten in der Gemeinde spielte ich vor, dass alles super laufe, was aber nicht im Geringsten der Realität entsprach. Meine Mutter durchsah dieses Doppelleben und kritisierte mich daher. Ich war mir bewusst, dass sie recht hatte, kam aber nicht aus dieser Sackgasse heraus. In den Sommerferien war dann der Höhepunkt erreicht. Dann kam Gott sei dank wieder das „Young Camp“. Dort - weg von daheim - nahm ich mir vor, von nun an mein Leben wirklich umzukrempeln. Und ich fing nochmal von neuem an.
Auch wenn es seitdem immer wieder Rückschläge gab und wahrscheinlich auch geben wird, stimmt doch jetzt die große Linie. Seit diesem Zeitpunkt (September 06) begann ich erstmals richtig, bei Verteileinsätzen und anderen Aktionen meinen Glauben öffentlich zu bezeugen. Auch sonst mach ich viel mit meinen Glaubensgeschwistern und habe in ihnen jetzt echte Freunde, die ich zuvor nie hatte.